Kann man Netflix oder YouTube auf DJI Goggles schauen?
Von JH
Die kurze Antwort: Deine eigenen Videodateien – ja. YouTube und die meisten frei zugänglichen Websites – ja, über eine optionale Funktion. Livestreams und eigentlich alles, was auf deinem PC läuft – ja, indem du deinen Bildschirm samt Ton streamst. Netflix, Disney+, Prime Video, Max usw. – nein, wegen DRM. Hier die ausführliche Erklärung.
Das Wiedergabegerät können DJI Goggles sein, für die die App entwickelt wurde, oder jedes andere DLNA-Gerät in deinem Netzwerk. Für das Folgende macht das keinen Unterschied.
Deine eigenen Dateien
Dafür ist GogglePlayer gebaut. Du wählst eine lokale Videodatei aus, und die App streamt sie ans Wiedergabegerät. Wenn das Gerät das Format nicht annimmt, wird sie währenddessen konvertiert.
Online-Videos: die URL-Funktion
GogglePlayer hat einen Tab URL. Du fügst einen Link ein, die App lädt das Video in einen temporären Ordner herunter und spielt die lokale Datei anschließend auf dem Wiedergabegerät ab, genau wie eine Datei, die du selbst ins Fenster gezogen hast. YouTube, Vimeo und die meisten Websites ohne DRM-Schutz funktionieren so.
Den Download übernimmt nicht GogglePlayer, sondern das separate Programm yt-dlp. Das installierst du selbst, unter Windows meist mit winget install yt-dlp im Terminal. Anschließend gibst du es in den Einstellungen der App frei. Erst dann erscheint der Tab URL. Kein yt-dlp, kein Tab. Die eigentliche Antwort auf „Welche Online-Videos funktionieren?“ lautet also: „Alles, was yt-dlp herunterladen kann.“ Dessen Grenzen gelten auch hier.
Zwei davon sind hier relevant.
Livestreams: nicht über diesen Tab. Das ist eine technische Grenze, keine Richtlinie. Die URL-Funktion lädt das vollständige Video herunter und spielt es dann ab. Ein laufender Livestream wird nie fertig. Es gibt also keine vollständige Datei fürs Wiedergabegerät, und die App wartet auf einen Download, der nicht endet. Ein bereits beendeter Livestream, der als normale Aufzeichnung vorliegt, ist einfach ein Video und lässt sich problemlos abspielen. Für einen noch laufenden Stream nutze stattdessen Bildschirmstreaming. Dazu kommen wir weiter unten.
DRM: daran kommt die Funktion nicht vorbei. Darum geht es im nächsten Abschnitt.
Die heruntergeladene Datei ist temporär und wird nach etwa einer Woche gelöscht. Nutze den Zwischenspeicher also nicht als Videobibliothek. Downloads erfolgen standardmäßig in 1080p, sofern du das nicht in den URL-Optionen änderst.
Netflix, Disney+, Prime Video und die anderen: nein
Die Abo-Dienste schützen ihre Videos mit DRM. Der Stream ist für ihre offizielle App verschlüsselt, die als Einzige die nötigen Schlüssel besitzt. Es kommt also kein unverschlüsseltes Video heraus, das GogglePlayer abgreifen und weiterreichen könnte. Diesen Schutz zu umgehen verstößt gegen die Nutzungsbedingungen. Die App macht das nicht und wird es auch nicht tun.
Deinen Bildschirm streamen
Eine frühere Fassung dieses Artikels schlug hier OBS und dessen virtuelle Kamera als ungetestete Behelfslösung vor, mit dem Hinweis, dass auf diesem Weg kein Ton übertragen werde. Beides ist überholt. Bildschirmstreaming ist inzwischen eingebaut, und der Ton wird mitübertragen.
Im Tab Capture werden neben Webcams auch deine Bildschirme aufgelistet. Wähle einen aus, und sein Inhalt läuft auf dem Wiedergabegerät. Der Systemton wird zusammen mit dem Bild erfasst und im selben Stream gesendet. Das Wiedergabegerät hält beides selbst synchron. Praktisch heißt das: Video im Browser starten, auf Vollbild stellen, und es läuft mit Ton auf dem Wiedergabegerät.
Wenn du den Ton stattdessen auf Kopfhörern hören möchtest, die mit dem PC verbunden sind, schalte die Audioausgabe auf Local. Das Wiedergabegerät zeigt das Bild einige Sekunden verzögert. Deshalb spielt die App auf den Kopfhörern eine verzögerte Kopie des Tons ab. Mit Headphone delay im Bereich Capture passt du die Verzögerung an, bis Bild und Ton zusammenpassen. Standardmäßig sind es drei Sekunden, was für die Brille ungefähr hinkommt. Eine Voraussetzung bei der Einrichtung: Die Kopfhörer dürfen nicht die Windows-Standardausgabe sein, denn genau diese Ausgabe erfasst die App. Stelle die Lautsprecher als Standard ein und wähle die Kopfhörer in der App. Die App warnt dich, wenn die Kopfhörer zugleich die Standardausgabe sind.
Das Bild auf dem Wiedergabegerät ist gegenüber deinem PC-Bildschirm um einige Sekunden verzögert. Der größte Teil dieser Verzögerung entsteht durch den Puffer im Wiedergabegerät selbst und lässt sich auf der Senderseite nicht beseitigen. Ich habe es versucht. Damit scheiden Mausbedienung und Spiele aus. Beim Videoschauen macht es aber keinen Unterschied, weil du nichts hast, mit dem du die Verzögerung vergleichen würdest.
Damit geht das meiste, was die URL-Funktion nicht kann. Ein noch laufender Livestream, eine Website, die yt-dlp nicht unterstützt, Fernsehen im Browser-Tab: auf dem PC abspielen und den Bildschirm streamen. Die Grenze ist DRM. Windows erlaubt geschützten Videos, die Bildschirmaufnahme zu blockieren. Kostenpflichtige Streamingdienste können deshalb als schwarzes Rechteck erscheinen, wo eigentlich das Bild sein sollte. Dieser Schutz wird von Windows durchgesetzt, nicht von der App. Die App versucht nicht, ihn zu umgehen.
Datenschutz
Bei deinen eigenen lokalen Dateien geht nichts ins Internet. Das Video gelangt über das lokale Netzwerk vom PC zum Wiedergabegerät und bleibt dort. Die URL-Funktion ist die Ausnahme: Wenn du einen Link einfügst, lädt die App das Video aus dem Internet herunter. Nur dafür wird beim Abspielen eine Internetverbindung genutzt. Die Einzelheiten stehen auf der Datenschutzseite.
Also: Hast du die Datei, kannst du sie abspielen. Einen YouTube-Clip, den du herunterladen möchtest, übernimmt der Tab URL. Für alles andere, was auf deinem PC läuft, streame den Bildschirm. Netflix schaust du am besten in deren App auf einem dafür zugelassenen Bildschirm.